Schwungvoll und abgründig: Dita Zipfel erzählt in ES IST HELL UND DRAUSSEN DREHT SICH DIE WELT von Kinderwunsch, Lebenslügen und den alltäglichen Grausamkeiten in liebevollen Beziehungen – wir treffen sie zum Kurzinterview.

Ein schönes Haus direkt am Meer, zwei Männer, die seit ihren Jugendtagen befreundet sind, und die Frauen, die sie lieben – was kann da schon schief gehen? Eine Menge!

Das liegt natürlich auch ein bisschen daran, dass der Privat-Pool leer ist, ein Kanarienvogel seine Flügel ausbreitet und der Crémant nicht so in Strömen fließt, wie der Gastgeber es sich vorstellt – aber vor allem lässt die Autorin Dita Zipfel in ihrem Roman ES IST HELL UND DRAUSSEN DREHT SICH DIE WELT die beiden Paare in den unterschiedlichsten Konstellationen aufeinanderprallen. Dass die vier Individualisten dabei in einem schmucken Urlaubsdomizil schmoren, das den anderen drumherum zum Verwechseln gleicht, ist sicher kein Zufall, denn die Autorin hält uns mit ihrem Roman durchaus den Spiegel hin. Die Frage könnte also sein: Erkennen wir uns wieder?

Ganz andere Dinge will ich von der Autorin wissen – und freue mich, dass Dita Zipfel sich die Zeit genommen hat, sie zu beantworten.

Liebe Dita, in ES IST HELL UND DRAUSSEN DREHT SICH DIE WELT setzt Du Dein Kammerspiel-Ensemble in ein Ferienhaus – und lässt es dort aufeinander losgehen. Das ist keine neue Idee: Was hat Dich trotzdem an ihr gereizt?

Dita Zipfel: „Ich liebe es, wenn sich Geschichten auf engem Raum entfalten, sowohl zeitlich als auch örtlich. Das epische Erzählen liegt mir nicht so. Ich bewundere es sehr, wenn Autor*innen es schaffen mit knappen Mitteln die ganze Welt aufzubauen und wieder einzureißen – so wie Yasmina Reza in ‚Der Gott des Gemetzels‘. Es kann nie genug Kammerspiele geben.“

Dein Roman hat mich zum einen durch die spannenden, immer wieder überraschenden Figuren begeistert, zum anderen durch die filmische Qualität Deines Schreibens. Wie bekommt man das als Autorin hin?

Dita Zipfel: „Wie schön, danke! Einer der großen Glücksfälle meines Lebens ist, dass mein Opa ein Kino hatte. Ich bin wahnsinnig viel ins Kino gegangen, habe viele Filme so oft geguckt, dass ich sie mitsprechen konnte. Ein guter Kinofilm macht mich noch immer über alle Maßen glücklich und ehrfürchtig. Wenn ich schreibe, sehe ich im besten Fall einen Film vor mir ablaufen und schreibe ihn einfach ab.“

Deine Figuren beobachten und belauern sich – und dann bringst Du mit Latifah die einzige Nebenfigur in die Handlung, die einen ganz anderen Blick auf Deine Protagonisten hat. Nur ein Kunstgriff, oder auch ein politischer Ansatz, „die andere Seite“ unserer Wohlstandsgesellschaft zu zeigen?

Dita Zipfel: „Ich verfolge mit keinem meiner Bücher einen erzieherischen Ansatz. Ich versuche, eine Realität abzubilden und manchmal wirkt allein das Aufschreiben der Realität politisch. Es ist Realität, dass prekäre Jobs oft von Migrant*innen gemacht werden.

Ich fand die Situation interessant, wie sehr die Unsichtbarkeit zu Latifas Job gehört. Ihr Leben steht im krassen Gegensatz zu dem der anderen Figuren, und trotzdem sind sie miteinander verbunden.“

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Ich habe dieses Interview aus Neugier geführt und aus Begeisterung für das Buch, das ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten habe. Es handelt sich nicht um eine beauftragte oder bezahlte Werbung.

Dita Zipfel: ES IST HELL UND DRAUSSEN DREHT SICH DIE WELT. Insel, 2026.

Meine Rezension zum Buch findet sich HIER.