Ein Kurzinterview mit Hannah Häffner über ihren bewegenden Roman DIE RIESINNEN, der uns die Art von widerborstigen Heldinnen schenkt, wie wir sie lieben.

Ein Dorf, drei Frauen und die Frage, warum Wurzeln für uns manchmal Eisenketten sind – und gleichzeitig ein Halt in stürmischen Zeiten: Mit DIE RIESINNEN hat Hannah Häffner nach drei Kriminalromanen nun einen modernen, großartigen Heimatroman geschrieben, und noch dazu eine bewegende, mitreißende Familiengeschichte über das Leben, Leiden und Lieben von Liese, Cora und Eva.

DIE RIESINNEN ist ein Buch, das nicht laut werden muss, um einen Donnerhall zu haben, mit Figuren, die herrlich struppig sind, um ihre Kratzer herum auf Hochglanz poliert, ohne dabei ihre Kanten zu verlieren. Man kann viel rühmen an DIE RIESINNEN … und sollte sich dieses Lesehighlight nicht entgehen lassen.

Ich freue mich sehr, dass die Bestsellerautorin Hannah Häffner sich Zeit genommen hat, mir drei neugierige Fragen zu beantworten.

Liebe Hannah, man kann DIE RIESINNEN als Familienroman, aber auch als modernen Heimatroman einordnen – denn neben der unerschütterlichen Liebe von Müttern zu ihren Töchtern spielt auch die Verwurzelung an einem Ort eine wichtige Rolle. Was ist Dir an diesen Themen wichtig?

Hannah Häffner: „Das Thema Heimat hat auf den ersten Blick etwas Angestaubtes, dabei ist es für so viele Menschen und über Generation hinweg aktuell. Auch wenn man das Privileg hat, sich über Heimat nicht viele Gedanken machen zu müssen, spielt es doch in vielen Lebensentwürfen eine wichtige Rolle: Wo will ich hin im Leben – und wo, wenn überhaupt, will ich hingehören? Will ich mich lösen von meiner alten Heimat und allem, was damit verbunden ist? Dass mich dort alle kennen und damit auch festgelegt ist, wer ich bin?

Im Grunde geht es um die Balance aus Freiheit und Halt – und die ist eng verbunden mit dem Gedanken der unerschütterlichen Liebe innerhalb einer Familie. Es ist oftmals eine Liebe, die keine großen Worte braucht, um die man nicht viel Aufhebens macht. Sie ist einfach da, man kann auf sie zurückfallen. So habe ich sie versucht zu erzählen: Als eine ausgestreckte Hand, eine immer offene Tür.“

Obwohl Dein Roman vor allem von großartigen Frauen erzählt, wird die Geschichte von zwei Männern eingerahmt: einem am Anfang, dessen Gleichmut eine Art von Desinteresse ist, und einem am Ende, dessen Gleichmut liebevollen Großmut bedeutet für sich und andere. Hast Du Dein Buch an diesen beiden Polen entlang erzählt?

Hannah Häffner: „Stimmt, diese beiden Männer rahmen die Geschichte tatsächlich ein, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Sie verdeutlichen auch eine Entwicklung – von Liese und dem, was sie erdulden muss, hin zu Eva, die viel selbstbestimmter ist, für die eine Partnerschaft auf Augenhöhe selbstverständlich ist, die so eine Partnerschaft auch einfordert. Ganz grundsätzlich spielen die Männer im Roman keine so kleine Rolle. Die Riesinnen werden geprägt von den Menschen um sie herum, sie lernen von ihnen, ziehen aus ihnen Wut, Kraft oder Inspiration, unabhängig davon, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Männer sind in ihrem Leben nur nicht einfach der Dreh- und Angelpunkt. Ich habe schon ab und an die Rückmeldung erhalten, dass das für manche LeserInnen etwas irritierend ist. Aber ich denke, das ist Gewöhnungssache.“

Beim Lesen Deines Romans denkt man immer wieder: „Ja, genau so ist es!“ Und am Ende wird eine Deiner Figuren etwas sagen, was für ihr Gegenüber aus einem Wandkalender zu stammen scheinen, aber trotzdem stimmen. Wie steht Du zu solchen Wahrheiten, als Mensch und als Autorin?

Hannah Häffner: „Wahrheiten sind nicht immer komplex. Es gibt Dinge, die sind banal, und doch wahr. Es gibt Wahrheiten, die man in vielen Sätzen erklären muss, für manche braucht man nur ein paar Worte. Das, was du beschreibst, ist am Ende immer das, was man erreichen möchte – dass jemand sagt: ‚Stimmt, genau so! Genau so fühlt es sich für mich an!‘ Ganz gleich, ob man darüber schon lange nachgedacht und nur nicht die richtigen Worte gefunden hat, oder ob man von der Wahrheit kalt erwischt wird, bislang nie einen Gedanken an sie verschwendet hat. Das sind die Momente, in denen sich AutorIn und LeserIn finden, in denen die Sterne einfach richtig stehen. Und das sind die Momente, an die man sich als LeserIn hinterher erinnert, die dafür sorgen, dass ein Buch nachhallt.“

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Ich habe dieses Interview aus Neugier geführt und aus Begeisterung für das Buch, das ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten habe. Es handelt sich nicht um eine beauftragte oder bezahlte Werbung.

Hannah Häffner: DIE RIESINNEN. Penguin, 2026

Meine Rezension zum Roman findet hier HIER.