Im Mai 2026 erscheint mein erster Roman. Bis dahin erzähle ich jeweils am letzten Sonntag im Monat, wie er entstanden ist – und heute, wie ich bei Rowohlt meine Verlagsheimat gefunden habe.

Was bisher geschah: Ich habe einen Roman geschrieben und eine Agentin gefunden. Was fehlt zum Glück? Der richtige Verlag! Wie definiert man in diesem Zusammenhang aber, was wichtig ist?

„Ein Autor braucht einen Verleger, der bereit ist, mit ihm zu irren“, soll Daniel Kehlmann gesagt haben. Und Elizabeth Gilbert fasst es so:

„Ich will mich nicht um die Herstellung kümmern, ich will nicht das Marketing übernehmen oder den Vertrieb. Ich will einfach nur schreiben und gebe gerne einen Teil meiner Einnahmen an Menschen ab, die Experten auf diesen Gebieten sind.“

Wie hoch sind die Chancen, einen Verlagsvertrag zu bekommen?

Pro Jahr erscheinen schätzungsweise 14.000 oder 16.000 neue Romane bei klassischen Buchverlagen – bei weitem nicht jeder, der geschrieben wurde: Aus meiner Zeit als Lektor weiß ich, wie viele Angebote ich täglich mit einem „ô“ als Absage gekennzeichnet habe.

Deswegen ist eine gute Agentin Gold wert: Sie weiß, in welchem Lektorat gerade was gesucht wird, was bestimmte Lektor*innen mögen … und wie man sie dazu verführt, sich ein Projekt zeitnah anzusehen. Wir alle kennen unseren SUB, den Stapel ungelesener Bücher; die meisten Verlagsgebäude haben nur deswegen keine Statikprobleme, weil deren GUPs – die Gebirge ungeprüfter Projekte – heute digital in die Höhe wachsen. Viele Schreibkarrieren scheitern daran, dass Projekte in dieser Masse untergehen; Stephen King erzählt dazu die Anekdote, dass er früher Absagen auf einen Nagel an der Wand spießte:

„Als ich vierzehn war, hielt der Nagel die Last nicht mehr aus. Ich ersetzte ihn durch einen dicken Zimmermannsnagel und schrieb weiter.“

Meine Agentin Monika Kempf war trotzdem optimistisch und bat um eine Liste der Verlage, bei denen ich EINE LIEBE OHNE SOMMER sehen würde.

Und ich: „Okay, ich habe drei.“
„Willst du darüber vielleicht erst einmal in Ruhe nachdenken?“
„Wann habe ich denn das letzte Mal in Ruhe nachgedacht?“

Monika lachte – und zeigte mir ihre Liste, die sie natürlich schon vorbereitet hatte: „Wir schicken dein Buch auf jeden Fall an diese zehn, das erhöht die Chancen auf einen guten Deal.“

Meine Traumverlage standen alle auf Monikas Liste – aber auch ein paar andere. „Da brauchst du es gar nicht anzubieten“, sagte ich hier, da und dort, „weil a) die Verlegerin mich doof findet oder b) die Lektorin und ich einen komplett unterschiedlichen Geschmack haben oder c) mein Buch perfekt in dieses Programm passen würde, der Verlag aber so gar nicht in mein Herz.“ (Ich halte nichts von Snobismus, aber ich neige zu einem gewissen „Erst reden, dann denken“ …)

Monika, schön wie eine Grazie und entspannt wie Buddhas Sidekick, begegnete meinem Quengeln mit Gelassenheit: „Ist dir schon klar, dass du keine Agentin hast, um trotzdem alles besser zu wissen?“ Ihr Lachen half mir auch bei meiner größten Sorge: „Was, wenn die Menschen mein Buch schauderhaft finden – und sich auf der nächsten Messe darüber kaputtlachen?“

„Und was, wenn sie stattdessen ihre Wunden lecken, weil sie die Auktion nicht gewonnen haben?“ Man kann über meine Agentin vieles sagen – aber ein LOVE, LOVE, LOVE schwingt immer mit.

GET THE PARTY STARTED!

An einem Montag schickte Monika Exposé und Manuskript auf die Reise. Und als sie mir Dienstagmittag eine WhatsApp schickte, während ich auf dem Viktualienmarkt Kaffee trank, rechnete ich mit allem – aber nicht dem ersten Angebot.

Es kam von einem meiner Top-3-Verlage … und war richtig gut! Ich habe sehr lange dort gesessen und vor mich hingestarrt: Ja, man kann gleichzeitig Achterbahn fahren und auf Wolke 7 schweben. (Der Lektorin, die dieses Angebot gemacht hat, werde ich mein Leben lang für ihre Schnelligkeit dankbar sein!)

Am Freitag folgte das zweite Angebot. Es war noch besser als das erste – und auch dieser Verlag stand in meiner Top 3. Achterbahn! Wolke 7! Bungeejumping im Kopf … und ein Gefühl von: „Wait, WHAT?“

Das Foto zeigt den Autor Timothy Paul, der auf einer Baumbank am Münchener Viktualienmarkt sitzt. Der schaut in den Himmel. Neben ihm sieht man den Karl-Valentin-Brunnen, daneben einen Schriftzug, der erklärt, dass dieses Foto den Moment ein Jahr früher nachstellt, in dem der Autor das erste Angebot für seinen Roman bekommen hat.

Natürlich gab es Absagen, mehr als Angebote – darunter auch von meinem dritten Favoriten. Dass EINE LIEBE OHNE SOMMER von sämtlichen Lektorinnen abgelehnt wurde, die mich kannten, machte mir erstaunlicherweise nichts mehr aus, denn umso schöner war der Gedanke, dass für die diversen Angebote nur mein Text zählte.

Wo Licht ist, ist auch Schatten – und noch mehr Licht

Darf ich kurz den Erklär-Bär geben? Wenn ein Buch nicht als Pre-empt verkauft wird, also nach einem hohen  „präventiven“ Angebot, um das Projekt sofort zum Markt zu nehmen, beginnt eine Auktion. Bei dieser werden die interessierten Verlage aufgefordert, die bisherigen Angebote zu überbieten. Das kann einige Runden dauern, in denen sich auch Parteien aus dem Rennen verabschieden. Am Ende der Auktion werden die verbliebenen eingeladen, ein „best offer“ abzugeben, in das neben der Vorschusshöhe auch Marketingideen einfließen – und oft geht das damit einher, dass die Lektor*innen die Autor*innen kennenlernen.

„Na, bist du nervös?“, fragte Monika vor dem ersten Termin. – „Ach was“, gab ich mich entspannter, als ich war, „ich hab genug solcher Gespräche geführt, ich weiß, wie der Hase läuft.“ Monika lächelte ihr „Niedlich, jetzt denkt er wieder, er ist Profi“-Lächeln … und gab dem Wagen, mit dem die Berg- und Talfahrt begann, einen vergnügten Schubs.

Ich führte ein freundliches, interessantes Gespräch. Dann gab’s eine Begegnung, nach der ich nicht wusste, ob ich weinen oder lachen sollte. Und schließlich kam das Gespräch mit dem ersten der beiden Wunschverlage … und es war großartig. Eigentlich dachte ich, der Drops wäre damit gelutscht: tolle Lektorin, toller Verlag, wo soll ich unterschreiben?

Aber dann sprach ich mit Rowohlt. (Hier setzt der interaktive Teil für Lesende ein: Bitte ruft „Oh“ und „Ah“ oder lasst einen Chor „Freude schöner Götterfunken“ losdonnern.)

Verlage können kuscheln, fördern und fordern – und die besten verstehen sich auf alle drei Disziplinen

Katharina Dornhöfer, die Programmleiterin von Rowohlt Polaris, und Dinah Fischer, die Lektorin, auf deren Schreibtisch Monika meinen Roman gelegt hatte, haben mich vom ersten Moment an begeistert: Dinah rührte mich mit einer Liebeserklärung an meinen Roman, Katharina forderte mich mit der Frage heraus, wie ich mich als Autor sehe, was meine zukünftigen Schwerpunkte werden sollen – schon waren wir mittendrin in einem Gespräch, das mich komplett begeistert hat. Plötzlich duzten wir uns alle, es wurde gelacht und nachgedacht. Und als wir uns verabschiedeten, hatte ich vermutlich bereits diesen Mondkalb-Ausdruck im Gesicht, der Monika bei unserem Debriefing-Termin zum Lachen brachte.

„Ich muss zu Rowohlt“, war das Einzige, das ich leergequasselt, aber randvoll mit Gefühl sagen konnte. – „Na, dann bringen wir dich da mal hin“, sagte Monika. Und genau das tat sie.

Das Bild zeigt ein Zitat des Buchhändlers Frank Menden, der über den Roman EINE LIEBE OHNE SOMMER von Timothy Paul sagt: "Ein leicht daherkommender, aber nie seichter Roman, der hervorragend unterhält. Perfekt für beglückende Lesestunden."

Kritische Lesende werden sich an dieser Stelle fragen: Wann wird hier endlich ein literarisches Schwergewicht eingebaut?

So ein Feuilleton-tauglicher Text wie dieser kommt nicht ohne Thomas Mann aus, oder? „Das Verhältnis zwischen Autor und Verleger ist eine Art Ehe“, wird er zitiert, „in der beide Teile gelegentlich an Scheidung denken, aber doch wissen, dass sie zusammengehören.“

Seit dem ersten Kennenlernen habe ich nicht eine Sekunde gezweifelt, dass Rowohlt die richtige Heimat für EINE LIEBE OHNE SOMMER ist. Soll ich noch eine Geschichte dazu raushauen? Als ich ein paar Monate später aus Spaß ein „Schülerpraktikum“ beim Aufbau des Rowohlt-Messestandes in Frankfurt machte, stand ich verschwitzt und staubig vor der Wand mit den Bildern der aktuellen Rowohlt-Autoren – und dachte: „Da gehöre ich bald zu!“ Ich bin echt nicht so nah am Wasser gebaut, aber sicher, dieses Glücksgefühl noch lange bei mir zu behalten. Natürlich auch, sollte im Oktober 2026 kein Platz auf der Standwand sein für mein Foto. Ich werde da sein, irgendwie. Und sei’s versteckt in einer Graufläche zwischen Nelio Biedermann und Jojo Moyes. Der übrigens dieses Zitat zugeschrieben wird:

„Ein Verlag bietet Beständigkeit. In einer Welt, in der sich Trends ständig ändern, schätze ich das Team, das langfristig denkt und nicht nur an das nächste Quartal. Sie helfen dabei, eine Brücke zum Leser zu bauen, die über ein einzelnes Buch hinausreicht.“

Wie diese Brücke geschlagen wurde? Das erzähle ich in der nächsten Episode des Making-of am letzten Sonntag im März.

Das Bild zeigt links den Autor Timothy Paul, der vor einer Lampe steht, die man für einen Heiligenschein halten könnte; rechts daneben sieht man den Umschlag des Romans EINE LIEBE OHNE SOMMER. Und oben steht der Slogan "Kann ein Kuss ein Leben verändern?"

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Mit diesem Text bewerbe ich natürlich meinen Roman EINE LIEBE OHNE SOMMER, der am 15. Mai 2026 bei Rowohlt im Verlagslabel Polaris erscheinen wird. Der Roman kann jetzt überall vorbestellt werden, wo es Bücher gibt – also zum Beispiel auch HIER.